nlp.at - der oesterreichische nlp-server Chunking, chunks Chunking, chunks 1. Begriffe, die Miller (1956) formuliert hat. Chunks sind Größenordnungen, in denen Informationen organisiert werden. Chunking bedeutet das Organisieren oder Aufgliedern von Erfahrungen in größere oder kleinere Stücke. Im großen Chunk ist der Fokus auf allgemeine und abstrakte Informationen gerichtet, im kleinen Chunk auf spezifische und konkrete Informationen. "Chunking up beinhaltet, daß man sich auf eine umfassendere, abstraktere Informationsebene begibt. Chunking down impliziert, daß man sich auf eine spezifischere oder konkretere Ebene der Informationen begibt. Laterales Chunking bedeutet, daß man andere Beispiele auf der gleichen Informationsebene findet." (Dilts 1993 (1990), 223).

Der Wechsel von Chunks beschreibt ein allgemeines Prinzip des menschlichen Bewußtseins. Nach Miller (1956) können wir bewußt den Fokus der Aufmerksamkeit in einem Augenblick auf höchstens "sieben plus/minus zwei" Informationen richten. Umfangreichere Phänomene werden "hochgechunkt". Der Geist faßt kleinere Einheiten zu größeren "Ganzheiten" zusammen und studiert sie in einem größeren Kontext.

Chunking in Kommunikation ist ein Wechsel logischer Ebenen. Die Lern-Kategorien von Bateson und das Modell der logischen Ebenen von Dilts sind Anwendungen dieses Prinzips. Die Anwendung der Sprachmuster des Milton-Modells führt zu "größeren Chunks", wie z.B. Nominalisierungen. Die Anwendung der Sprachmuster des Meta-Modells führt zu "kleinen Chunks", zu konkreten und spezifischen Informationen. Metaphern beinhalten laterale Chunks: jemand redet über einen Gärtner und zwei Rosensträucher und meint eine Mutter und zwei Kinder (Bretto 1988, Introduction 23).

Chunking down ist oft eine angemessene Strategie, um komplexe und schwierige Aufgaben zu bewältigen. Die bewußte Konzentration auf kleine Chunks kann für große Ziele und langfristige Projekte hilfreich sein. Chunking up hilft in machen Fällen, aus einem stuck state herauszukommen und das Problem auf einer höheren Ebene, in einem größeren Zusammenhang zu studieren. Chunks bezeichnen eines der Meta-Programme des NLP. Die Kenntnis, auf welchen Chunks einzelne Personen bestimmte Aufgaben üblicherweise angehen, kann für die Zusammenarbeit in einem Team nutzbringend sein.


2. (engl. chunk: Brocken, Klumpen). Spezifische Organisationsform von Gedächtnisinhalten, bei der einzelne Gedächtnisitems zu festen Gruppen (chunks) verbunden sind. Die Chunkbildung wird durch verschiedene Mechanismen unterstützt, z.B. durch kategoriale Organisation und durch Rhythmisierung […]. Das C. von Elementen in größere Einheiten ist eine Codierungsstrategie, mit Hilfe deren die Gedächtniskapazität […] erheblich gesteigert werden kann, da bei der freien Wiedergabe von Gedächtnisinhalten anstatt einer Vielzahl von Einzelelementen nur eine Einheit aktiviert wird.

Der Begriff des C. wurde 1956 von G.A.Miller (1956) eingeführt. Die C.-Hypothese beinhaltet Aussagen über den Umfang der Kurzzeitgedächtnisspanne, die nach Miller etwa 7±2 chunks beträgt (magical number seven; Gedächtnisspanne,Kurzzeitgedächtnis). Dabei wird der spezifische Inhalt einzelner chunks als unbedeutend für das Kurzzeitbehalten gesehen, d.h., die Gedächtnisspanne beträgt unabhängig von Reizmaterialien wie Binärzahlen, Dezimalzahlen, Buchstaben oder Wörtern in etwa fünf bis neun chunks, während der Informationsgehalt (bits) dieser Materialien sehr unterschiedlich sein kann. Neuere Arbeiten zeigen jedoch, dass die Gedächtnisspanne reizabhängig ist. Sie ist z.B. für Wörter größer als für Nichtwörter (Hulme u.a. 1997). Der klassische Aufsatz von Miller ist historisch bedeutsam, weil die Ergebnisse seiner Untersuchungen belegen, dass Maße der informationstheoretischen Psychologie nicht auf die Messung der Kurzzeitgedächtnisspanne anwendbar sind.

Die Bildung von chunks sieht Miller als das Ergebnis längerfristiger Lernprozesse […], eine Annahme, die insbesondere von der Problemlöseforschung aufgegriffen und untersucht wurde. Experten unterscheiden sich von Novizen in der Ausbildung von chunks, mit der eine größere Menge an Information zur Lösung eines Problems verfügbar wird (Chase/Simon 1973). Beispielsweise unterscheiden sich erfahrene von unerfahrenen Schauspielern wesentlich in der Verfügbarkeit größerer Wissenseinheiten und können durch dieAktivierung von chunks den Informationsgehalt vorgegebener Schachkonfigurationen erheblich reduzieren.

Obwohl sich Millers C.-Hypothese lange Zeit behaupten konnte, ist sie aus Sicht der heutigen Gedächtnispsychologie unzureichend. Unumstritten bleibt, dass für das kurzfristige Behalten von Information die Wahrnehmung von Reizen als Einheiten eine entscheidende Rolle spielt, welche letztlich die Obergrenze des Kurzzeitgedächtnisses bestimmt. Heutige Ansätze vermeiden den Begriff der Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses und heben hervor, dass das Behalten von chunks vor allem von optimalen Bedingungen, d.h. von den Aufgabenanforderungen, abhängig ist (vgl. Kintsch 1982).

[Quelle: Jutta Kray und Mecklinger Axel, in: Nicolas Pethes und jens Ruchatz (Hg.), Gedächtnis und Erinnerung. Ein interdisziplinäres Lexikon, Rowohlt, Reinbeck bei Hamburg, 2001, S. 101f.]

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