nlp.at - der oesterreichische nlp-server Sechs-Stufen-Reframing Sechs-Stufen-Reframing Ein bekanntes Verfahren des Reframings, ursprünglich in sechs Schritten entwickelt (Cameron-Bandler 1992 (1978), 119ff.; Bandler und Grinder 1994 c (1979), 167ff. und 1995 (1982), 129ff.) (- mittlerweilen wird es in bis zu neun Schritte aufgeteilt).



Die sechs Schritte sind:

(1) Das störende Verhalten, die störende Reaktion identifizieren.

Reframing ist für Symptome auf der Verhaltensebene geeignet. Beispiele: ein Verhalten, das jemand aufgeben will (wie Schüchternheit oder zuviel essen), eine Gewohnheit, Körpersymptome (wie Beklemmungszustände in Gegenwart bestimmter Menschen), innere Stimmen (die z.B. in bestimmten Situationen jemanden übermäßig kritisieren). Dabei ist es günstig, das Verhalten möglichst exakt und spezifisch zu benennen. (Es ist allerdings auch möglich, das Sechs-Stufen-Reframing ausschließlich auf der Prozeß-Ebene durchzuführen, d.h. der Coach leitet die einzelnen Schritte an, ohne eine Kenntnis vom Inhalt zu haben). Vage Wünsche, wie "ich möchte glücklich sein!" sind für das Sechs-Stufen-Reframing nicht geeignet. Reframing ist geeignet für Verhalten, das eine Person aufgeben oder verändern will. (D.h. - wie immer im NLP - es müssen vorher die Ziele geklärt sein).

Schon in dieser ersten Phase erfolgt ein erstes Reframing: Es wird ein fiktiver "Teil" konstruiert, dem die Verantwortung für das störende Verhalten zugeschrieben wird. D.h. meine Schüchternheit oder meine Kopfschmerzen, unter denen ich leide (die ich weghaben will), werden einem Teil, der im Unbewußten agiert, zugeschoben, der sie ohne mein bewußtes Einverständnis produziert hat. Dies wird vom Berater / von der Beraterin durch die Wortwahl unterstützt: "Der Teil, der Sie schüchtern werden läßt", "Der Schüchti-Teil", usw.


(2) Mit dem Symptom-Teil wird Kontakt aufgenommen.

Da der Symptom-Teil als Teil des Unbewußten gilt, wird er gefragt, ob er bereit ist, mit dem Bewußten zu kommunizieren. Implizit wird damit erreicht, daß der Klient / die Klientin irgendeine Vorstellung von dem Teil entwirft (meist irgendwo innerhalb des Körpers), die jedoch in der Regel nicht direkt angesprochen wird. Der Kontakt mit dem Symptom-Teil kann auf verschiedene Arten geschehen. In den meisten Anleitungen zum Sechs-Stufen-Reframing wird ein Ja/Nein-Signal vorgeschlagen. Dies kann ein Körpergefühl sein (eine Empfindung an einer Körperstelle hat die Bedeutung von "Ja", eine andere von "Nein"), ein Bild, ein Wort, ein Klang usw. Es ist auch möglich, sich den Symptom-Teil visuell außerhalb des Körpers vorzustellen (als Symbol, als Person, als Tier, ... ) und mit dieser Vorstellung direkt - wie mit einer Person - zu kommunizieren (all dies hängt stark von den Suggestionen des Coach ab).

Für Ja/Nein-Signale hat Alexa Mohl folgende Klassifikation entwickelt (1996a (1993), 216ff., vgl. auch Bandler und Grinder 1995 (1982), 194ff.):

(a) Kommt auf die Frage nach der Bereitschaft zur Kommunikation mit dem Bewußten kein Signal, wird die Frage wiederholt, ein Bedeutungs- Reframing gemacht und der Prozeß beendet.
(b) Kommt ein Nein-Signal, wird die Frageform und die innere Haltung zu diesem "Teil" überprüft. Kommt wieder ein Nein, wie (a).
(c) Kommt ein unklares oder mehrdeutiges Signal, wird nochmals gefragt.
(d) Kommen mehrere Signale, werden sie als unterschiedliche "Teile" reframt und gebeten, mit einer Stimme zu sprechen.
(e) Meldet sich das Körper-Symptom, wird der Symptom-Teil gefragt, welche Absicht er damit verfolge und gebeten, dieses Signal abzuschwächen.
(f) Kommt ein Ja-Signal, geht der Prozeß weiter.



(3) Den Symptom-Teil nach seiner guten Absicht befragen.

Dazu ist es notwendig, das Verhalten von der Intention zu trennen. Dies kann direkt angesprochen werden ("Du bist verantwortlich für X"). Im Anschluß daran wird nach der "guten Absicht", "dem positiven Sinn in meinem Gesamtsystem", usw. gefragt. Fragen und Antworten können in mehreren Runden ablaufen. Unverständliche Antworten werden mit dem Meta-Modell hinterfragt. Nein-Signale werden in dieser Phase reframt ("Das Unbewußte hat seine Gründe, die positive Absicht dem Bewußten nicht mitzuteilen") und nicht weiter beachtet.

Bei all dem empfiehlt sich eine respektvolle Einstellung zum Symptom-Teil, eine Haltung von: "Ich würdige das, auch wenn ich es nicht verstehe". Im Abschluß an diesen Schritt wird der Symptom-Teil gefragt, ob er neugierig sei, neue Verhaltensweisen für seine positive Absicht kennenzulernen.



(4) Kontakt mit dem kreativen Teil.

Der vierte Schritt ist der Kontakt mit einem weiteren Teil, dem "kreativen Teil". Als Zwischen-Schritt muß manchmal ein kreativer Teil erst etabliert werden (manche Menschen glauben, sie seien nicht kreativ).

Möglichkeiten dazu sind:

(a) sich an fünf kreative Situationen zu erinnern und das zu ankern,
(b) eine kreativen Teil autoritativ zu behaupten ("Kein Mensch verhält sich immer wie ein Automat"), oder
(c) das Modellieren einer kreativen Person.

Der Kontakt mit dem kreativen Teil kann auf unterschiedliche Weise erfolgen:

(a) assoziiert, d.h. man geht in den inneren Zustand von Kreativität und denkt hier ("läßt sich vom Unbewußten schenken") an neue Möglichkeiten, an neue Verhaltensweisen für die positive Absicht des Symptom-Teils.
(b) Viele Varianten des Sechs-Stufen-Reframings schlagen eine dissoziierte Kontaktaufnahme mit dem kreativen Teil vor. Man kann hier (ba) das "Ich" bitten, mit dem kreativen Teil Kontakt aufzunehmen oder (bb) den Symptom-Teil direkt mit dem kreativen Teil Kontakt aufnehmen lassen. Letzteres kann als bewußter (man "sieht" zu, man erlebt bewußt, wie die beiden Teile miteinander in Kontakt treten) oder als unbewußter Vorgang ablaufen (der Symptom-Teil wird gebeten, wegzugehen, mit dem kreativen Teil Kontakt aufzunehmen und wieder zu kommen). All dies kann auf einer sprachlichen oder auf einer nicht-sprachlichen Ebene geschehen, die beiden Teile werden z.B. durch Licht verbunden und mit dem Licht fließen die guten Ideen vom kreativen zum Symptom-Teil.

Nachdem dieser Kontakt stattgefunden hat, wird der Symptom-Teil gefragt,

(a) ob er die neuen Verhaltensweisen dem Bewußten mitteilen will (das ist nicht immer notwendig und sinnvoll) und
(b) ob er in Zukunft bereit ist, die Verantwortung dafür zu übernehmen.



(5) Öko-Check.

Der nächste Schritt ist der traditionelle Öko-Check des NLP, hier angewandt auf alle anderen "Teile" im Unbewußten. Die Kontaktaufnahme mit diesen Teilen kann in all den Varianten erfolgen, die in (4) genannt wurden. Das Ziel ist das Einverständnis aller anderen Teile bzw. das Überprüfen möglicher Einwände. Bei Signalen wird nachgefragt, ob es sich um einen Einwand handelt. Gibt es Einwände, wird jeder "Teil", der einen Einwand erhebt, wie ein Symptom-Teil behandelt und die Schritte (3) bis (5) werden auf ihn angewandt.



(6) Future Pace.

Der letzte Schritt ist das übliche Future pace. (Die Reihenfolge von Schritt 5 und 6 wird in manchen Anleitungen auch vertauscht). Hier wird meist dem unbewußten Teil direkt die Verantwortung für die praktische Umsetzung des neuen Verhaltens übertragen.

Weigert sich der Teil, dies zu tun, können
(a) neue Ideen in Wiederholung von Schritt (4) erkundet werden,
(b) eine Unterstützung anderer Teile versucht werden,
(c) gefragt werden, ob eine Unterstützung durch das Bewußte gewünscht wird, usw.

Am Schluß des Prozesses kann der Symptom-Teil verabschiedet und eventuell eine neuerliche Kontakt-Aufname in der Zukunft vereinbart werden.

Zusammenfassung dieser Beschreibung
Kurzform in neun Schritten


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