nlp.at - der oesterreichische nlp-server Wahrnehmungs-Filter Wahrnehmungs-Filter Alles, was wir an der Welt rings um uns wahrnehmen, ist kein direktes, identisches Abbild der Welt, sondern eine Rekonstruktion sinnesspezifischer Erfahrungen. Bewußtsein ist ein enormer Auswahl-Prozeß, bei dem einzelne Aspekte erkannt und andere nicht erkannt werden. Wahrnehmen ist ein Filterprozeß, - wie eine Brille, bei der bestimmte Arten des Lichts durchgehen und andere nicht. Der Filter-Prozeß der Wahrnehmung ist allgemein bekannt. Wenn jemand ein neues Auto kauft, dann "sieht" er nach dem Kauf mehr Autos dieser Marke, nimmt die Werbung bewußter wahr, usw. Der Kauf eines Autos (für die meisten eine größere Entscheidung) hat den Wahrnehmungs-Prozeß verändert: ein neuer Filter wurde wirksam.

Das, was in unserem Bewußtsein erscheint, ist das Resultat eines enormen Auswahl-Prozesses. In diesem Auswahl-Prozeß werden einzelne Aspekte der "Realität" erkannt, andere "unterdrückt".

Die "Außen-Welt" wahrzunehmen ist wie durch eine Kamera zu schauen und zugleich einen "inneren Film" zu konstruieren. Die Aufmerksamkeit ist auf ein Detail konzentriert, das in innere (visuelle, auditive, kinästhetische, ...) "Bilder" "übersetzt" wird. Menschen, die z.B. in einem Problem-Fokus gefangen sind, entwerfen sich innerlich einen "Horror-Film": ein Detail der "Außen-Welt" wird herausgepickt und mit schaurigen Farben und Tönen unterlegt.

NLP geht davon aus, daß alle Modelle, die Menschen entwerfen, "gefilterte" Modelle sind. Das Meta-Modell des NLP ist ein sprachliches Modell, das auf die Art der Modell-Bildung generell hinweist. Es gibt drei große Arten von Modell-Bildungs-Prozessen, d.h. von "Filter-Prozessen": Tilgung, Verallgemeinerung und Verzerrung. Die Frage-Techniken des Meta-Modells dienen auch dazu, einige der Filter-Prozesse, wie sie sich in Sprache spiegeln, bewußt zu machen, und Anleitungen zu einer "weniger gefilterten Sprache" zu geben.

Daneben gibt es im NLP eine Vielzahl von Modellen, um Wahrnehmungs-Filter zu studieren und zu verändern.

Beispiele sind:
die Repräsentations-Systeme im Denken und in der Sprache,
die Wahrnehmungs-Positionen,
der Unterschied zwischen assoziiert und dissoziiert
und alle Meta-Programme, die als personenspezifische Wahrnehmungs-Filter gelten.

Wirksame Wahrnehmungs-Filter sind die Beliefs, die Werte und die personale Identität einer Person. NLP offeriert eine Reihe von Änderungs-Techniken, die eine direkte Veränderung der Wahrnehmung bewirken können.

Ein wichtiger Gedanke von NLP ist die Zustandsabhängigkeit der Wahrnehmung. Die Art, wie wir bestimmte Ereignisse, bestimmte Menschen und uns selbst wahrnehmen, hängt in hohem Maße von unserem inneren Zustand ab. Die Selbststeuerungs-Techniken des NLP zielen darauf hinaus, den Wahrnehmungs-Prozeß in einer Weise zu verändern, die unseren Zielen und Werten mehr entspricht.

Der Filter-Prozeß der Wahrnehmung wird in allen konstruktivistischen Ansätzen betont. (NLP könnte - das ist meine Interpretation - als praktizierter Konstruktivismus gedeutet werden). Viele NLP-Methoden erlauben das Studium der Wirkung veränderter Wahrnehmungs-Filter. Alle Techniken zur Veränderung von Beliefs sind geeignet, Wahrnehmungs-Prozesse selbst zu verändern. Beliefs und Wahrnehmungs-Prozesse stehen in einer interessanten Wechselwirkung: Beliefs strukturieren Wahrnehmung und Wahrnehmung formt Beliefs. Im NLP wird die Plastizität und Veränderbarkeit von Beliefs und von Wahrnehmungs-Prozessen betont.

Wenn man den Belief-Gedanken des Konstruktivismus ernst nimmt, dann ist die Filter-Metapher selbst eine unglückliche Metapher. Modell-Bildung, wie sie im Meta-Modell beschrieben wird, ist kein "Filter-Prozeß", sondern etwas anderes: "Filter haben nur eine einzige Funktion, nämlich die, eine Substanz aus einer anderen herauszufiltern. Ein Kaffeefilter filtert die Kaffeereste aus dem flüssigen Kaffee-Wasser-Gebräu. Der Kaffee ist im Wasser gelöst. Im Falle der Modellbildungs-Prozesse würde das bedeuten, daß sie nur die Funktion hätten, schon vorhandene Informationen von anderen zu trennen oder "herauszufiltern". Tatsächlich handelt es sich um erlernte Methoden, Modelle zu konstruieren. Symbole oder Sinneseindrücke haben "an sich" keine Bedeutung, sie bekommen erst Bedeutung während eines bedeutungsgebenden Prozesses. Welche Bedeutung sie bekommen, entscheidet sich unter anderem durch die Art der angewandten Modellbildung-Prozesse. Die Modellbildungs-Prozesse sind keine "Filter", sondern Methoden auf der Basis von Sinneseindrücken, um Bedeutung zu konstruieren." (Jochims 1995, 118).


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