nlp.at - der oesterreichische nlp-server Neuprägung, Wieder-Prägung, Re-Imprinting Neuprägung, Wieder-Prägung, Re-Imprinting Ein Interventions-Muster, das Robert Dilts entwickelt hat (1993 (1990), 109ff.; 1995 (1989), 79ff.). Sein Ziel ist es, negative Prägungs-Situationen (wie traumatische Erlebnisse) aus der Vergangenheit (meist Kindheit oder Pubertät) zu erkunden und ihrer weiteren Wirkung zu berauben.

Prägungen (imprints) sind nach Dilts bedeutsame Erfahrungen aus der Vergangenheit eines Menschen, die zu einem festen Belief von sich selbst geführt haben. Prägungen sind eingeprägte und prägende Erfahrungen, die die Identität einer Person nachhaltig beeinflußt haben und immer noch beeinflussen. Eine negative (traumatische) Prägung bewirkt, daß eine Person in ganz bestimmten Kontexten (meist unbewußt) selbst genau jenes Verhalten zeigt, unter dem sie in der entsprechenden Szene ihrer Vergangenheit gelitten hat. Das Prägungs-Erlebnis hat sich als inneres "Bild" (in allen Repräsentations-Systemen) so intensiv eingeprägt, daß es durch entsprechende Anker in der Gegenwart immer wieder aktiviert werden kann.

Bei einer Neuprägung wird die Prägungs-Situation (A) in Erfahrung gebracht, (B) näher erkundet, (C) mit Ressourcen angreichert und (D) mit der Gegenwart verbunden.

(A) Ausgangspunkt einer Neuprägung ist ein einschränkendes Belief, ein stuck state, ein Hindernis für ein Ziel, usw., das vom Klienten/der Klientin K assoziiert erlebt wird. Dieses Gefühl, begleitet von der entsprechenden Physiologie, wird durch den Coach/Therapeuten/die Therapeutin T geankert. Während T den Anker hält, stellt sich K vor, immer jünger und jünger zu werden. K aktiviert dabei Erinnerungen, die zu diesem Zustand passen, bleibt bei jeder Erinnerung nur kurz und geht innerlich weiter (wird diese Suche mit Hilfe einer Boden-Zeitlinie unternommen, dann geht A auch physisch weiter).

Das Ziel ist die Erkundung jener Situation, in der dieses Gefühl zum ersten Mal im Leben aufgetreten ist (Dies gilt als Prägungs-Situation. Die Suche nach der Prägungs-Situation kann u.U. einige Zeit dauern). In vielen Fällen werden hier Erinnerungen aktiviert, die dem Gedächtnis verborgen waren und die mit intensiven negativen Gefühlen (z.B. Scham-Gefühlen) verbunden sind. Die Kunst von T besteht darin, darauf zu achten, daß K im Prozeß bleibt (daß er/sie mit dem ursprünglichen Gefühl verbunden bleibt), und gleichzeitig dafür zu sorgen, daß K nicht voll assoziiert in eines dieser Erlebnisse "hineingeht" (bei Menschen, die die meiste Zeit dissoziiert sind, ist das Gegenteil notwendig).

Die erste Szene kann getestet werden, indem K in der Erinnerung noch weiter zurückgeht und in Erfahrung bringt, ob dieses Gefühl (dieser Körper-Zustand) in noch früheren Erinnerungen zu finden ist. (In manchen Fällen werden dabei "Erinnerungen" an die ganz frühe Kindheit oder sogar an die Zeit im Mutterleib aktiviert). Das Ziel ist es, eine konkrete Szene zu finden, in der das ursprüngliche Gefühl aufgetreten ist. Auf diese Szene beziehen sich die Schritte (B) und (C).

(B) Im nächsten Schritt wird die Prägungs-Situation genau erkundet. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Wichtig ist auf jeden Fall zu verhindern, daß K vollends und so tief in die Szene regrediert, daß sie mit ihren unangenehmen und schmerzhaften Gefühlen einfach nur wiedererlebt wird. Dazu ist es notwendig, gleich nach der Erkundung der Szene oder etwas später, einen wirksamen Unterbrecher zu setzen und eine Dissoziation aufzubauen, die eine gewisse Zeit stabil gehalten werden kann.

Die Erkundung der Szene, der näheren Umstände, welche Personen hier beteiligt waren, kann aus dieser dissoziierten Perspektive oder auch assoziiert (mit der Möglichkeit, sich jederzeit dissoziieren zu können) erfolgen. Aus der Außen-Position können auch die Folgen der Prägungs-Situation für das weitere Leben befragt werden. In vielen Fällen wird durch die Regression in die Kindheit ein "roter Faden" im Leben erkennbar: wie all diese schmerzlichen Erfahrungen zusammenhängen und um ein einziges Thema kreisen.

Ein wichtiger Teil der Erkundungs-Phase ist die Erkundung der Innen-Perspektive aller beteiligten Personen, auch der Täter. In der Regel geschieht dies durch das Einnehmen der ersten (für das jüngere Selbst) und der zweiten (für alle anderen Personen) Wahrnehmungs-Position. Wiederum geht es darum, diese Positionen nur zur Informations-Gewinnung zu nützen, nicht aber "in die Hölle" hineinzugehen und dort zu bleiben. K geht also als erwachsener, ressourcenvoller Mensch in die Szene der Vergangenheit hinein, und nimmt Rapport zu allen Beteiligten auf. (Kann K dabei diese Ressourcen des Erwachsenen-Selbst nicht halten, muß T Hilfe dafür anbieten, die notwendigen Ressourcen für diesen Schritt zu organisieren).

Die Erkundungs-Phase wird solange unternommen, bis K ein gewisses Verständnis über das Verhalten und die Reaktionen aller Beteiligten entwickelt hat. Dieses Verständnis kann unmittelbar aus dem Einnehmen der Innen-Positionen kommen, z.B. zu erleben, aus welchen Zwängen ein Täter als Person gehandelt hat. Meist wird hier auch die eigentliche Intention, die verborgene positive Absicht, der Beteiligten erkundet. (K fragt so lange nach, bis alle Schichten von Absichten durchdrungen sind und die gute Absicht zum Vorschein kommt).

Diese positive Intention bezieht sich auch auf K selbst, auf seine Reaktion, das Tun und das Denken in dieser Szene. Hier wird angenommen, daß das jüngere Selbst (egal, was passiert ist) eine gewisse Wahl-Freiheit gehabt hat. Es hat z.B. mit Rückzug, mit Schweigen, mit Körper-Symptomen oder mit einer bestimmten Interpretation reagiert, aus dem dann das prägende Belief entstanden ist. In dieser Phase findet das Reframing im Prozeß der Neuprägung statt, d.h. das Verhalten aller Beteiligten in der Szene, einschließlich des jüngeren Selbsts, "erscheint in einem anderen Licht", es bekommt eine neue Bedeutung (K zeigt dabei T mit einer Versöhnungs-Physiologie an, daß er/sie diesen Schritt einer Umstrukturierung von Bedeutungen innerlich durchlaufen hat).

(C) Im nächsten Schritt wird die Prägungs-Situation weiter positiv verändert, indem von außen in alle Beteiligten, sofern dies nötig ist, Ressourcen hineingebracht werden. Dies kann direkt geschehen ("Was hätte diese Person damals gebraucht, um anders reagieren zu können?" und / oder auf die positive Absicht Bezug nehmen ("Wie hätte diese Person ihre eigentliche Absicht besser umsetzen können?"). Diese Ressourcen werden aktiviert (z.B. durch Einnehmen eines passenden Ortes auf der Boden-Zeitlinie) und den Beteiligten (assoziiert) "gegeben" (Dabei verschmelzen jeweils zwei Anker).

© Lucas Derks 1997

Dieser Prozeß geht über mehrere Stufen. K überprüft (unter Umständen mehrmals), ob die Beteiligten mit ihrem neuen Verhalten und mit den neuen Verhaltensweisen der anderen Beteiligten zufrieden sind. Dies gilt auch, und vor allem, für das jüngere Selbst. Ist das der Fall, erlebt K die nunmehr veränderte Szene nochmals assoziiert in allen Repräsentations-Systemen, zuerst in den Wahrnehmungspositionen der Beteiligten und zuletzt in der Wahrnehmungsposition des jüngeren Selbsts. (Hierbei achtet T darauf, ob K kongruent in allen Positionen eine Ressourcen-Physiologie zeigt. Wenn nein, werden aus der dissoziierten Position heraus zusätzliche Ressourcen in die Szene hineingebracht, - solange, bis von außen betrachtet und von innen erlebt, alle Beteiligten mit dem, was in der Szene passiert und wie sie sich verhalten können, zufrieden sind).

(D) In der letzten Phase wird die veränderte Prägungs-Situation mit der Gegenwart (oder auch mit der Zukunft) verbunden. K geht dabei assoziiert in die neue Situation hinein, aktiviert und erlebt alle Ressourcen, die jetzt in der Szene enthalten sind, und unternimmt mit diesem Gefühl den Weg zurück in die Gegenwart (Science-Fiction-Fans nennen diesen Prozeß "back to the future"). In vielen Fällen werden jene Erinnerungen wieder aktiviert, die auf der Reise von der Gegenwart in die Vergangenheit erlebt wurden: das Leben wird "neu geschrieben", der "rote Faden" wird neu aufgerollt. (Dieser Prozeß kann einige Zeit dauern). Wurde die Neuprägung für ein Hindernis zu einem Ziel gemacht, so ist es hilfreich, mit diesem Gefühl bis zu jenem Zeitpunkt in der Zukunft zu gehen, wo das Ziel erreicht ist, und den Weg ins Ziel zu genießen.

Die Technik der Neuprägung gilt für viele als einer der wichtigsten Techniken des NLP. Eine Sonderform ist die sogenannte "Neuprägung der Eltern". Zeit-Linie der Eltern. Dabei geht es darum, Vorstellungen über die verinnerlichten (introjizierten) Eltern und ihr Leben zu verändern. Vgl. Andreas und Andreas 1995 (1994), 189ff.

Neuprägung ist eine Erweiterung und Kombination der Techniken History change, Phobie-Technik, Neues Verhalten erzeugen (new behavior generator) und Reframing. Sie verlangt die Beherrschung aller NLP-Methoden und soll nur von NLP-erfahrenen Personen durchgeführt werden. Sie ist in der Regel ein tiefgehendes Erlebnis und kann oft nachhaltige Auswirkungen auf das Verhalten und die Identität einer Person ausüben. (Text unter Mithilfe von Thies Stahl).

Übungsanleitung 1 (Walter Ötsch)
Übungsanleitung 2 (Alexa Mohl)


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