nlp.at - der oesterreichische nlp-server Reframing, reframen, umdeuten Reframing, reframen, umdeuten Die Bedeutung, die ein Ereignis, eine Aussage, ein Verhalten, ein Glaubenssatz, ein Auslöser, ein Reiz hat, hängt vom Kontext, vom Rahmen ab, in den wir es hineinstellen, den wir ihm geben. Frame ist der Rahmen. Reframing bedeutet, einen neuen Rahmen zu konstruieren, eine neue Bedeutung zu geben. Ein Bild kann in einem neuen Rahmen ganz anders aussehen und anders wirken. Wird ein Problem reframt, dann bekommt dasselbe Ereignis, eine neue Bedeutung: neue Reaktionen und neues Verhalten werden möglich. Reframing bezeichnet den Prozeß des Umdeutens, des Einnehmens einer neuen Perspektive, einer neuen Art der Wahrnehmung, einer neuen Interpretation.

Häufig wird im NLP nach (1) Kontext-, (2) Bedeutungs- und (3) Inhalts-Reframing unterschieden (vgl. Bandler und Grinder 1995 (1982), 21ff.).

(1) Das Kontext-Reframing ist eine Form des Reframings, bei der eine Eigenschaft, die jemand bei sich oder bei anderen als negativ empfindet, in einen Kontext gestellt wird, wo diese Eigenschaft nützlich ist. Ein Beispiel: Ein Vater bezeichnet seine Tochter als stur. Der Therapeut meint: "Stellen Sie sich vor, Ihre Tochter würde von einem Mann belästigt. Wäre es nicht sehr nützlich, wenn sie dann stur wäre?"

Der therapeutische Zweck dieser Intervention ist es, dem Vater zu helfen, ein positives Gefühl für die abgelehnte Eigenschaft zu entwickeln.

Kontext-Reframings sind angezeigt, wenn in der sprachlichen Darstellung des Problems durch den Klienten ein Vergleich auftaucht, der die Form hat: "Ich bin zu X" oder "Er/sie ist zu X". In diesem Falle liegt eine Verallgemeinerung (Generalisierung) vor, denn die abgelehnte Eigenschaft wird in allen denkbaren Kontexten für falsch angesehen. Indem der Therapeut einen Kontext findet, indem die Eigenschaft angebracht und nützlich ist, nimmt er die Generalisierung zurück und ersetzt sie durch eine kontext-bezogene Äußerung.

(2) Beim Bedeutungs-Reframing (auch Inhalts-Reframing genannt) bleiben Kontext und Situation erhalten, aber die emotionale Bedeutung eines Ereignisses wird neu interpretiert. Ein Beispiel: Eine Mutter ärgert sich über die Fußabdrücke ihrer Kinder am Teppich. "Fußabdrücke auf dem Teppich" haben für Sie die Bedeutung: "Niemand respektiert mich." Eine neue Bedeutung könnte sein: "Fußabdrücke auf dem Teppich" haben die Bedeutung: "Liebe Menschen sind im Haus".

Bedeutungs-Reframing wird eingesetzt, wenn im sprachlichen Modell des Klienten eine Äußerung auftaucht, die die Form einer komplexen Äquivalenz hat: "Ich fühle mich x, wenn y passiert" - läßt sich abbilden auf: "x bedeutet, daß ich mich y fühlen muß".

(3) Der Ausdruck Inhalts-Reframing wird im NLP unterschiedlich verwendet. Manche AutorInnen setzen diesen Ausdruck mit Bedeutungs-Reframing gleich: es geht um die inhaltliche Bedeutung einer Aussage und die Veränderung des Bedeutungs-Inhaltes (Dies ist m.E. die angemessene Interpretation, weil sich Reframing-Typen formal eindeutig bestimmen lassen). Für andere ist der Ausdruck Inhalts-Reframing ein Überbegriff mit dem Kontext- und dem Bedeutungs-Reframing als Sonderfälle. Beide Reframings können nämlich nur dann durchgeführt werden, wenn der Coach den Inhalt (den Wortlaut) der problematischen Aussage kennt. D.h. im Unterschied zu anderen NLP-Interventionen kann der Coach nicht alleine auf der Prozeß-Ebene agieren, sondern muß auch gewisse Inhalte des Problems kennen (Bandler und Grinder 1995 (1982),17).

NLP hat eine Vielzahl von Reframing-Techniken entwickelt, z.T. von anderen Richtungen übernommen, und sie in einfache Prozeß-Anleitungen übersetzt.

Beispiele sind:

(1) das Punch-Reframing (Sleight-of-Mouth-Patterns), ein Liste von Sprach-Mustern zum schnellen Uminterpretieren von Aussagen,
(2) das Verhandlungs-Reframing, dessen Struktur sowohl für innere Konflikte ("zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust") als auch für Verhandlungen mit anderen Menschen hilfreich sein kann,
(3) das Symptom-Reframing, geeignet für den Umgang mit Körper-Symptomen, wie Krankheit,
(4) das Paar-Reframing, angewandt für Konflikte bei Partnern ( eine Übungsanleitung dazu),
(5) Techniken, die sich gut zur Selbststeuerung eignen ( Kritik). ( Anleitung dazu)

Die meisten Reframing-Techniken des NLP beinhalten zwei Konzepte:

(1) das Konzept der Teile: unerwünschtes Verhalten nach außen (wie z.B. Aggressivität) oder nach innen (z.B. Krankheit) wird einem "Teil" im Unbewußten zugeordnet. Dieser Teil wird vom "restlichen Ich" abgetrennt und mit ihm (wie mit einer fremden Person) Kontakt aufgenommen.

(2) das Konzept der guten Absicht: unerwünschten, störenden und unverständlichen "Teilen" wird - als grundlegende Vorannahme - eine positive Intention unterstellt, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht erkennbar sein mag. Das Umdeuten besteht darin, diese positive Absicht herauszufinden, bewußt zu machen und in neues Verhalten umzusetzen (Cameron-Bandler 1992 (1978), 121ff.).



Ein bekanntes Verfahren des Reframings ist das sogenannte Sechs-Stufen-Reframing. Die sechs Stufen sind:

(1) Das, was stört, identifizieren (ein Verhalten, ein Symptom, innere Stimmen, ...).
(2) Kontakt mit dem dafür verantwortlichen Teil herstellen.
(3) Die gute Absicht dieses "Teils" herausfinden.
(4) Kontakt mit dem kreativen "Teil" herstellen und neue Verhaltensweisen für das ursprünglich Störende finden.
(5) Ökologie-Check, ob alle anderen "Teile" im Unbewußten einverstanden sind.
(6) Future Pace.

(Die Reihenfolge von Schritt 5 und 6 wird auch manchmal vertauscht). Eine ausführliche Erklärung finden Sie im Stichwort Sechs-Stufen-Reframing.



Literatur: Cameron-Bandler 1992 (1978), 119ff.; Gordon 1995 (1978), 46ff.; Bandler und Grinder 1994c (1979), 167ff.; Grinder und Bandler 1987 (1981), 182ff.; Stahl 1995 (1988), 245ff.; Mohl 1996a (1993), 191ff. und 1996b, 119ff.


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